Ausgeschlagene Erbschaften
Schlagen alle nächsten gesetzlichen Erben eine Erbschaft aus, liquidiert das Konkursamt den Nachlass — samt allfälliger Liegenschaften. Diese Verwertungen kündigen sich in amtlichen Publikationen an, oft Monate bevor ein Inserat erscheint. Wer die Signale liest, hat einen echten Zeitvorsprung.
Quelle: SHAB ES05 (~120/Jahr) + KK02-Textfilter (~8'000/Jahr) · Automatisierung: hoch
Signal erkennen
Rechnungsrufe (SHAB-Rubrik ES05) und Schuldenrufe (KK02) zeigen an, dass ein Nachlass konkursamtlich liquidiert wird. AuctionScout filtert diese Meldungen automatisch und markiert Verfahren mit Hinweisen auf Grundeigentum.
Verfahren beobachten
Die Liquidation folgt den Regeln des Konkursverfahrens. Bis zur Verwertung vergehen häufig Monate — Zeit, um Lage, Umfeld und öffentliche Daten zum Grundstück in Ruhe zu prüfen.
Unterlagen prüfen
Sobald das Konkursamt die Verwertung ansetzt, publiziert es die Bedingungen. Prüfen Sie Schätzung, Lastenverzeichnis und Grundbuchauszug und klären Sie die Finanzierung, bevor Sie bieten.
Bieten oder Angebot einreichen
Je nach Verfahren wird die Liegenschaft öffentlich versteigert oder freihändig gegen schriftliches Höchstangebot verkauft. In beiden Fällen kaufen Sie vom Konkursamt, nicht von den Erben.
Beispiele aus diesem Markt
Zur Illustration — dieser Markt startet mit der Premium-Stufe. Einträge mit Kennzeichnung «Demo» sind fiktiv.
| Objekt | Termin | Schätzwert | Status |
|---|---|---|---|
| Chalet aus ausgeschlagener Erbschaft · Sierre VS Haus · Demo | 06.09.2026in 4 Wochen | CHF 540'000 | neu |
| 2½-Zimmer-Wohnung aus Nachlass · Frauenfeld TG Wohnung · Demo | 20.09.2026in 6 Wochen | CHF 310'000 | neu |
Rechtlicher Rahmen: Ausschlagung und konkursamtliche Liquidation
Erben müssen eine Erbschaft nicht annehmen. Das Zivilgesetzbuch gibt ihnen das Recht, sie auszuschlagen (Art. 566 ff. ZGB); die Frist dafür beträgt in der Regel drei Monate. War der Erblasser im Zeitpunkt des Todes offenkundig zahlungsunfähig, wird die Ausschlagung sogar vermutet. Ausgeschlagen wird typischerweise bei überschuldeten Nachlässen — aber auch bei unklaren Verhältnissen, Konflikten oder schlicht fehlendem Interesse.
Schlagen alle nächsten gesetzlichen Erben aus, fällt die Erbschaft nicht an den Staat, sondern sie wird durch das Konkursamt liquidiert (Art. 573 ZGB). Diese Liquidation richtet sich nach den Regeln des Konkursrechts (Art. 193 SchKG): Das Amt erstellt ein Inventar, ruft die Gläubiger auf und verwertet die Aktiven — darunter auch Grundstücke. Ergibt die Verwertung nach Deckung der Schulden einen Überschuss, wird dieser den Berechtigten herausgegeben.
Für Käufer bedeutet das: Eine Liegenschaft aus einer ausgeschlagenen Erbschaft kommt als konkursamtliche Verwertung auf den Markt — per öffentlicher Steigerung oder als Freihandverkauf. Es gelten dieselben Spielregeln wie bei anderen Zwangsverwertungen, inklusive Lastenverzeichnis und — bei der Steigerung — Deckungsprinzip.
Daneben gibt es weitere Wege, auf denen Nachlassliegenschaften den Eigentümer wechseln, etwa die amtliche Liquidation auf Begehren der Erben. Der Radar konzentriert sich auf die konkursamtliche Liquidation nach Ausschlagung, weil sich diese Verfahren zuverlässig aus den amtlichen Publikationen erkennen lassen.
Chancen für Käufer
- Zeitvorsprung: Rechnungsruf und Schuldenruf erscheinen früh im Verfahren. Zwischen dem ersten Signal und der Verwertung liegen oft mehrere Monate — genug Zeit für Recherche und Finanzierung.
- Wenig beachtete Nische: Diese Publikationen richten sich an Gläubiger, nicht an Immobilienkäufer. Entsprechend klein ist der Kreis derer, die sie systematisch auswerten.
- Echte Verkaufsnotwendigkeit: Das Konkursamt muss verwerten. Anders als bei privaten Verkäufern gibt es keine Preisfantasie ohne Verkaufsabsicht.
Risiken und Grenzen
- Objektzustand: Nachlassliegenschaften standen teils lange leer oder wurden über Jahre kaum unterhalten. Kalkulieren Sie Renovationskosten konservativ und besichtigen Sie, wenn möglich.
- Unsichere Zeitachse: Konkursamtliche Liquidationen dauern unterschiedlich lange. Nicht jedes Signal führt innert nützlicher Frist zu einer Verwertung — und nicht jeder Nachlass enthält überhaupt eine Liegenschaft.
- Kauf ohne Gewährleistung: Wie bei jeder Zwangsverwertung kaufen Sie das Objekt im bestehenden Zustand, üblicherweise unter Ausschluss der Gewährleistung.
- Finanzierung: Ämter verlangen Sicherheiten und rasche Zahlung. Was das für Ihre Bank bedeutet, erklärt der Artikel Finanzierung; zur üblichen Sicherheitsleistung siehe Anzahlung.
Wie AuctionScout diesen Markt überwacht
AuctionScout wertet zwei amtliche Quellen aus: die Rechnungsrufe der Rubrik ES05 im SHAB — schweizweit rund 120 Meldungen pro Jahr — und die Schuldenrufe der Rubrik KK02 mit rund 8'000 Meldungen pro Jahr. Diese Publikationen richten sich formell an Gläubiger; für Käufer sind sie deshalb nur nutzbar, wenn jemand die grosse Menge systematisch filtert.
Genau das übernimmt der Radar: Ein Textfilter erkennt in den KK02-Meldungen jene Verfahren, die ausgeschlagene Erbschaften betreffen, und die KI prüft die Meldungen auf Hinweise auf Grundeigentum — etwa Formulierungen zum Nachlass oder Angaben zum Verfahren. Relevante Fälle erscheinen früh im Radar; die spätere Verwertung selbst finden Sie dann unter Steigerungen.
Der Erbschafts-Radar ist Teil des Premium-Angebots. Die Details zu den Abos finden Sie unter Preise.
Häufige Fragen
Warum werden Erbschaften ausgeschlagen?
Meist, weil der Nachlass überschuldet ist oder die Verhältnisse unklar sind: Wer eine Erbschaft annimmt, haftet grundsätzlich auch für die Schulden des Erblassers. Die Ausschlagung nach Art. 566 ff. ZGB schützt die Erben davor. Dass der Nachlass eine Liegenschaft enthält, schliesst eine Überschuldung nicht aus — entscheidend ist das Verhältnis von Aktiven und Schulden.
Kaufe ich die Liegenschaft direkt von den Erben?
Nein. Haben alle nächsten Erben ausgeschlagen, verwertet das Konkursamt den Nachlass (Art. 573 ZGB, Art. 193 SchKG). Sie kaufen im Rahmen dieser amtlichen Liquidation — per Steigerung oder Freihandverkauf — vom Konkursamt, nicht von Privatpersonen.
Wie lange dauert es vom Signal bis zur Verwertung?
Das lässt sich nicht allgemein sagen. Zwischen Rechnungs- oder Schuldenruf und der eigentlichen Verwertung liegen häufig mehrere Monate, je nach Komplexität des Nachlasses auch länger. Der frühe Hinweis ist dennoch wertvoll: Sie können das Objektumfeld prüfen und die Finanzierung vorbereiten, bevor die Verwertung publiziert wird.
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